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Die Holzdecke

Über die Länge des gesamten Mittelschiffes erstreckt sich die farbig bemalte Holzdecke. 27,6 mal 8,7 Meter misst das Gemälde, das mit rund 240 Quadratmetern als eine der monumentalsten Malereien des Mittelalters gilt. Ihre Entstehung wird auf das erste Drittel des 13. Jahrhunderts datiert. Ihre Bildfolge ist der „Wurzel Jesse“ gewidmet. Sie zeigt die Vorfahren Christi und Christus selbst als Erlöser. In der Deckengestaltung wurde der Anlass der Kirchengründung, einen Altar für die Reliquie des Kreuzes zu schaffen, thematisch wieder aufgenommen: Da Christus die Menschen durch seinen Tod erlöst hat, wird der Legende nach aus dem Holz des Kreuzes ein Lebensbaum. Der heute nicht mehr existierende Kreuzaltar und der thronende Christus an der Decke waren in direktem Bezug zueinander komponiert worden. Sie befanden sich ursprünglich genau übereinander.

Die Holzdecke ist aus Eichenbohlen zusammengefügt. Sie wurde an Ort und Stelle, in über 16 Metern Höhe, zusammengesetzt und bemalt. Wissenschaftler haben errechnet, dass die 1.300 Bretter aus rund 20 gerade gewachsenen Eichen mit 18 Metern Höhe gewonnen werden mussten.

Harmonie und Symbolik, die schon die Architektur und Ausstattung der Michaeliskirche dominieren, fanden auch in der Aufteilung der Bildflächen und der Deckenmalerei Ausdruck. Wiederum kommt der Zahl Vier, auch als Zahl des Kreuzes in der theologischen Deutung bekannt, besondere Bedeutung zu: Den quadratischen Hauptfeldern sind vier Prophetenfelder zugeordnet, die vier Könige, vier Kardinaltugenden, vier Paradiesflüsse, vier Engel, vier Evangelisten und vier Evangelistensymbole abbilden. Auf acht Hauptfeldern zeigt das Gemälde von West nach Ost: das Paradies mit Adam, Eva und dem Sündenfall; den schlafenden Jesse auf einem prunkvollen Lager, aus dem ein Baum hervor wächst (Jessebaum); die Könige David, Salomo, Hiskia und Josia; Maria mit den Kardinaltugenden; Christus auf dem Thron bildet den Abschluss. Dieses letzte Bild und seine umliegenden Szenen sind nicht mehr im Original erhalten, sie wurden beim Einsturz des Vierungsturms 1650 zerstört. Die heutigen Bildszenen entstanden 1960 nach einer Vorlage aus dem 19. Jahrhundert. Sie zeigen Christus als Weltenrichter auf acht Hauptfeldern, umrahmt von Prophetendarstellungen. Die vier Evangelisten bilden jeweils den oberen und unteren Abschluss, neben ihnen ihre Symboltiere Markuslöwe, Lukasstier, Matthäusengel und Johannesadler. Die Vorfahren Christi rahmen das Gemälde an den äußeren Bildflächen mit 42 Medaillons ein. Abgebildet sind Psalmensänger, die König David zugeordnet sind, sowie Brustbilder weiterer Könige, die Saloma, Hiskia und Josia umgeben.

Die Maler schufen zunächst einen Kreidegrund, dem eine rote Unterzeichnung folgte und ein relativ zähflüssiger Farbauftrag als Malschicht. Abschließend wurden die Konturlinien gezeichnet.