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Die Bernwardtür

Bischof Bernward gab die beiden je 4,72 Meter hohen Türflügel im Jahr 1015 für den westlichen Eingang des Doms in Auftrag. Sie wurden nach ihrem Stifter benannt und nehmen unter den mittelalterlichen Türen einen besonderen Rang ein: Sie gehören zu den höchsten ihrer Epoche. Erstmals seit der Antike zeigt eine Tür wieder ein beeindruckendes plastisches Bildprogramm. Jeder ihrer Flügel wurde in einem Stück aus Bronze gegossen.

Auf vier gleichgroßen Flächen werden dem Betrachter in 16 Bildern biblische Szenen aus dem Alten und Neuen Testament vermittelt. Die Bildfolge des linken, alttestamentarischen Flügels, erzählt von oben nach unten gelesen, die Erschaffung des Menschen, die Zusammenführung von Adam und Eva, den Sündenfall, die Verurteilung und Vertreibung aus dem Paradies, das Erdenleben, das Opfer Kain und Abels und den Brudermord. Der rechte Flügel, antwortet von unten aufsteigend, mit neutestamentarischen Bildern über das Erlösungswerk Christi: der Verkündigung, der Geburt, der Anbetung der Könige, der Darbringung im Tempel, der Verurteilung und Kreuzigung, das leere Grab und die Erscheinung des Auferstandenen vor Maria Magdalena. So steht die Verkündigung Marias dem verurteilten Kain gegenüber, Adam dem auferstandenen Jesus, der dessen Schuld gesühnt hat.

Bernward ließ für seine Tür die karolingische Westkrypta des Doms umbauen und eine neue Vorhalle errichten. Er konnte den Bau zu seinen Lebzeiten jedoch nicht abschließen. Sein Nachfolger, Bischof Godehard, beauftragte, statt des geplanten Westabschlusses, einen neuen Westriegel und fügte die Bernwardtür in eine glatte Wand ein. Sowohl der Westriegel als auch die Tür überstanden den Brand von 1046. Sie blieben bis ins 19. Jahrhundert, die Türgewände sogar bis 1955, erhalten. Um die kostbaren bronzenen Türen vor Umwelteinflüssen zu schützen, wurden beide Flügel im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, mit den Bildflächen nach innen gedreht. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten hat die Bernwardtür wieder ihren ursprünglichen Standort eingenommen: am Eingang zum Inneren des Doms. Eine Vorhalle im Westwerk sorgt dafür, dass die nach außen zeigenden Bildwerke nicht der Witterung ausgesetzt sind.

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